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Interview Sebastian Hannemann

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  • January
    2017
 

Sebastian Hannemann hat die Freeride World Tour in diesem Jahr als 26. abgeschlossen und ist auch mit diversen Filmproduktionen unterwegs.

Wir haben ihn auf der ISPO getroffen und ihn über zum Thema FWT, Sicherheit am Berg und das Leben als Contest-Fahrer befragt.

Hi Sebastian, magst du dich kurz vorstellen?

Ich bin Bastian Hannemann, komme aus Königsbrunn bei Augsburg, habe dort Mathematik und Sport studiert. Im Winter ist meine Base das Zillertal. Von da aus geht es zu den Wettbewerben.

Wie bist du zur FTW gekommen?

Angefangen hat es eigentlich mit Skirennen in meiner Jugend. Irgendwann habe ich dann ein wenig du Lust am Skirennen verloren und bin dann zum Freestyle und Freeriden gekommen. Am Anfang ein wenig mehr Freestyle, wobei ich immer eigentlich schon beides gemacht habe. Anfangs gab es ja auch noch keine Freeride-Contests. Dann kamen die ersten Freeride-Cross-Rennen, und dann habe ich eigentlich alle gewonnen an denen ich teilgenommen habe (*lacht*). Dann kam das erste Jahr der Freeride World Tour, bei den Qualifiern beim ersten Event habe ich dann einen Platz bekommen – wahrscheinlich aufgrund der Ergebnisse der vorherigen Rennen – bin gefahren und sechster geworden. Anschließend hat mich dann eine Person angesprochen und es hat sich herausgestellt, dass es Nicolas Hale-Woods war (der Initiator der Freeride World Tour). Nicolas hat gesagt, es wäre cool wenn ich so weiter mache und Gas gebe. Daraufhin habe ich erwidert, dass es cool wäre, wenn er mir einen Startplatz besorgt und das hat er dann auch getan. Vielleicht war auch sein Hintergedanke, dass es keinen deutscher Fahrer in der FWT gibt. Im Jahr drauf habe ich mich dann knapp nicht qualifiziert dafür im nächsten Jahr eine Wild Card bekommen. Die nächsten zwei Jahre habe ich mich dann auf dem normalen Weg qualifiziert und dann leider verletzt.

Was genau ist bei deiner Verletzung passiert?

Ich war beim Filmen mit Legs of Steel, nach dem ganzen Contest Batzen endlich der erste Filmtag. Dann bei der ersten Abfahrt, eigentlich als Aufwärmfahrt gedacht, bin ich über ein Cliff von gut 12 Meter gesprungen und wohl ein bisschen zu weit nach links geraten. Bei der Landung bin ich dann in einem Baum geknallt. Die Folge war ein Trümmerbruch mit Verschiebung des unteren Sprunggelenks. In der folgenden OP haben sie das untere Sprunggelenk perfekt hingebracht. Ich war wieder fit und hatte auch fast keine Probleme mehr. Bei einer Routineuntersuchung wurde dann festgestellt, dass es nicht 100% verwachsen ist und ich musste noch einmal unter das Messer. Nach der Verletzung im Februar bin ich dann knapp sechs Monate mit Krücken gelaufen.

Damit bist du dann ein guten Teil der FWT ausgefallen?

Nein, verletzungsbedingt habe ich nur den ersten Event ausfallen lassen, danach hat es mich leider zweimal zerlegt. Du musst halt auf der FWT immer Vollgas geben.

Wie bereitest du dich bei der FWT vor?

Allgemein habe wir Trockentraining im Sommer, mit Belastungstraining um auch Verletzungen bei Stürzen vorzubeugen. Bei den Wettkämpfen selbst, machen wir meist am Vortag einen Face-Check, schauen uns den Hang an und checken, welche Line wir womöglich fahren können. Man muss sich halt 100% sicher sein, dass man die Line auch trifft, dass man sie auch wirklich fahren kann.

Bist du mit ABS-Rucksack unterwegs?

Ja, immer. Ich bin einer der wenigen Fahren, die auch im Wettkampf mit ABS-Rucksack unterwegs sind. Das hat aber auch den Hintergrund, dass ich damit auch im ganzen Training unterwegs bin und ich es somit gewohnt bin. Warum sollte ich dann im Wettkampf darauf verzichten. Klar ist das ein wenig mehr Gewicht, aber wenn ich privat fahre, habe ich den Rucksack auch immer an. Ich kann die Leute ehrlich gesagt nicht verstehen – gerade die professionellen Skifahrer – wie man immer noch ohne unterwegs sein kann. Klar die Kosten sind nicht unerheblich, aber das sollten einem – genauso wie bei einem LVS – das Leben schon wert sein. Es ist natürlich keine Garantie, aber es ist immerhin eine zusätzliche Absicherung.

Wie ist das vom Kopf her für dich? Machst du dir dann mit ABS Rucksack weniger Gedanken um deine Sicherheit und Lawinen?

Nein, überhaupt nicht. Für mich ist das kein Unterschied. Ich kann mir das auch gar nicht vorstellen, obwohl ich es schon öfter gehört habe, dass Leute so denken. Die Leute, die ein ABS haben, wissen dass es keine 100% Absicherung gibt. Für mich ist einfach ein zusätzliches Tool.

Wie ist es für dich als „Young Gun“ auf der FWT?

Ganz so „young“ bin ich nicht mehr. (*lacht*) Ich bin jetzt seit vier Jahren auf der Tour dabei. Der Leo Slemett von The North Face ist erst 19. Die Tour darfst du ab 18 mitfahren. Ist ist aber tatsächlich so, dass die jüngeren Fahrer gerne auch mal unüberlegtere Sachen machen. Bei mir ist es zum Beispiel so, dass ich mir denke: du musst nicht mehr das höchste Cliff mit der Brechstange nehmen um dann anschließend versehentlich im Flat zu landen. Ich habe aber natürlich kein Problem, ein hohes Cliff oder einen Backflip zu springen, allerdings sollte die Landung auch entsprechend passen. Aber wahrscheinlich ist es wirklich so, dass ich noch ein wenig das Image des Young Guns habe. (*lacht*)

Du bist ja auch schon früher Rennen gefahren. Damit ist der Contest-Bereich für dich kein Neuland. Ist das für dich Pflicht oder Kür? Du bist ja auch viel mit Video-Produktionen z.B. Legs of Steel und Junkies on a budget unterwegs.

Grundsätzlich kann ich sagen, dass das Filmen mehr Spaß macht, da du eigentlich nur fährst, wenn die Bedingungen stimmen. Bei den Wettkämpfen müssen wir zwar auch nicht in schlechten Bedingungen fahren – schon allein aufgrund der Sicherheit der Fahrer – aber wenn es mal ordentlich Sulz hat, musst du trotzdem im Contest ran. Da musst du dann deine Fahrweise entsprechend anpassen und vielleicht nicht gerade vom höchsten Cliff droppen. Prinzipiell habe ich aber mächtig viel Spaß am Contest fahren. Hinzu kommt, dass ich ja jetzt seit einem halben Jahr bei The North Face dabei bin, die ja Hauptsponsor der Freeride World Tour sind. Und die sehen mich natürlich gerne beim Wettkampf (*lacht*) Und: Wenn es mir keinen Spaß machen würde, würde ich es ganz einfach nicht machen.

Sebastian, vielen Dank für das Interview.

Gerne!

 

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